Auf Einladung des Seniorenbeirates der Gemeinde Schwanewede, des SoVD und der AWO Neuenkirchen sprach Frau Prof. Dr. Annelie Keil am 7. November 2019 im Rathaus Schwanewede über das vielschichtige Thema

            „Alt werden und die damit verbundenen Konsequenzen“

Annähernd 200 Zuhörer waren der Einladung gefolgt und füllten den Rathaussaal bis auf den letzten Platz. Dabei war der Anteil der zuhörenden Frauen dominierend, nur wenige Männer verloren sich in den Zuhörerreihen. Diese wurden von Frau Keil wegen ihres Mutes besonders begrüßt.

Der Vorsitzende des Seniorenbeirates Norbert Moser begrüßte die Zuhörer und versprach, dass Frau Keil in ihrem Vortrag besonders auf die vielen Möglichkeiten hinweisen würde, die es gibt, um das Leben im Alter zu meistern.

Frau Keil stellte ihren Vortrag unter das Motto „Wir waren noch nie so alt wie heute, wie sind wir dahingekommen und wie geht es weiter“. Altwerden ist die Logistik des Lebens, das Leben stellt die Fragen. Ein maßgeblicher Faktor im Alter ist die Gesundheit. 70% von dem was wir Gesundheit nennen ist Glück, meinte Frau Keil. Zur Beibehaltung der Gesundheit sei der Umgang mit anderen Menschen ein entscheidendes Kriterium. Es sei schon wichtig am Morgen eines jeden Tages Menschen zu treffen, die einem angenehm sind und nicht gleich Konfliktpotential aufzeigen.

Älter werden heißt neu werden, das Leben neu gestalten. Nach den Worten von Frau Keil hat uns die Evolution ein Alter von 65 – 67 Jahren prognostiziert, was danach kommt ist Reparatur.

Im Verlauf ihres Vortrages berichtete Frau Keil über ihre Arbeit im Hospiz, im Krankenhaus, in Altenwohnanlagen und an der Universität. Anhand von vielen Beispielen zeigte sie auf, wie Menschen in schwierigen Lebenslagen mit Krankheit, Tod und Einsamkeit umgehen und wie man ihnen wirksame Hilfe angedeihen lassen kann.

Gerade im Alter sollte einem die Geschichte des gelebten Lebens bewusst werden. Man sollte darüber nachdenken, was nicht mehr geht und was noch geht. Dabei sind viele Dinge im Alter nicht mehr relevant. Leben im Alter verlangt Kompromisse zu schließen, sich den neuen Herausforderungen zu stellen. Dies gilt insbesondere für den Fall, dass der alte Mensch unerwartet allein in seiner Umgebung steht. Für Frau Keil war es wichtig mitzuteilen, dass Ärger im Leben der größte Krankheitserreger überhaupt sei. Das gilt sowohl in der Familie, als auch am Arbeitsplatz.

Im hohen Alter lässt sich Ärger nur sehr schwer ertragen. Die Gründe, die Ärger verursachen, sind im Alter meist andere als vorher, Rechthaberei sei in ihren Worten nichts anderes als Energieverschwendung. Anhand von Beispielen erläuterte Frau Keil, dass viele Menschen im Alter nur noch funktionieren. Dabei sei doch viel wichtiger, selbst zu entscheiden, welche Musik man wann und wie hören will.

Im letzten Teil ihres Vortrages wies Frau Keil ihre Zuhörer auf vier Fakten hin.

-Der Mensch werde ungefragt in die Welt geboren. Von der Geburt bis zum Tod wird das Leben Fragen stellen, die Beantwortung erwarten.

-Jeder Mensch wird ungefragt in eine Familie geboren, aus der es im Leben kein Zurück gibt.

-Der Mensch kann sich bei der Geburt die Zeitgeschichte nicht aussuchen, in der er leben muss. Die Zeitgeschichte prägt den Menschen, Faktoren wie Krieg, Not, Hunger und auch eine multikulturelle Gesellschaft haben großen Einfluss.

-Der Mensch wird ungefragt in ein Land, eine Landschaft und in eine Gesellschaft geboren, durch die Geburtsurkunde legitimiert. Er erlernt eine Sprache und eine Kultur.

Zusammenfassend gibt Frau Keil den Zuhörern mit auf den Weg, dass das Leben ein Abenteuer ist, das jeden Tag aufs Neue mit dem Aufstehen beginnt. Das Leben ist wie ein Waisenkind, das jeden Tag neu adoptiert werden muss.
Barrierefreies Denken ist ein wichtiger Baustein im Leben besonders im Alter.

Mit langanhaltendem Beifall bedanken sich die Zuhörer nach fast 2 Stunden für den zeitweilig mit Witz und Ironie untermalten sehr interessanten Vortrag, enthielt er doch viele Hinweise für die Gestaltung des Lebens im Alter.

Johann Kroog