Die Chance auf ein langes Leben bietet viele neue Möglichkeiten, stellt aber auch neue Herausforderungen, u.a. an das Wohnen. Die Ansprüche steigen und verändern sich. Das Leben wird vielfältiger, Lebensstile werden individueller, die Anforderungen des Alltags nehmen zu. Das Zusammenleben der Menschen verändert sich. Kaum jemand möchte allein wohnen, obwohl es immer mehr Single-Haushalte gibt. Neue Technologien beeinflussen das Leben immer stärker.

Veränderungen beinhalten Chancen, sie können aber auch verunsichern. Neue Bedürfnisse und Anforderungen benötigen auch neue Antworten und nicht nur die Fortschreibung bekannter Lösungen. Ältere Menschen möchten dauerhaft eigenständig und selbstverantwortlich Leben. Ihre Bedürfnisse sind vielfältig. Sie wünschen Individualität und Unabhängigkeit, gleichzeitig auch das Zusammenleben in einer Gemeinschaft mit jüngeren und älteren Menschen. Gute soziale Kontakte haben eine große Bedeutung für die Lebensqualität. Sie wünschen aber auch Komfort, Sicherheit und persönliche Freiheiten. Sie wollen entspannen und aktiv sein. Vor diesem Hintergrund fragen sich viele, was ist für mich die beste Wohnform?

Im vertrauten Umfeld alt werden

Viele Menschen möchten so lange wie möglich im vertrauten Umfeld leben. Es gibt gute Gründe ein selbstgenutztes Eigenheim zukunftsfähig zu machen. Aber die Qualität der Lösungen muss stimmen, um daran lange Freude zu haben. Gute Lösungen beinhalten viel mehr als Barrierefreiheit. Notwendig sind Gesamtlösungen, die das heute mit den morgen verbinden, einen unmittelbaren Vorteil mit einem langfristigen Nutzen.

Geklärt werden muss, welche Anforderungen soll das Haus, die Wohnung erfüllen? Die Gestaltungspotenziale älterer Gebäude werden häufig nur in Ansätzen erkannt und verwirklicht. Was heute Komfort ist, kann morgen eine wichtige Voraussetzung für eine eigenständige und selbstbestimmte Lebensführung sein. Geklärt werden muss aber auch, was passiert, wenn ein eigenständiges Leben nicht mehr möglich ist.

In eine zentral gelegene Wohnung umziehen

Die Bereitschaft sich zu verändern, ist bei vielen älteren Menschen vorhanden. Sie wollen sich häufig von dem Aufwand einer großen Immobilie mit Garten befreien. Gewünscht sind Wohnungen in einer guten Lage. Betreutes Wohnen ist ein weiteres Stichwort.

Die Bereitschaft umzuziehen setzt voraus, dass man eine geeignete Wohnung findet. Eigentums- aber auch Mietwohnungen sind in den letzten Jahren immer teurer geworden. Die Differenz zwischen dem Verkaufspreis für ein bisher genutztes Einfamilienhaus und dem Erwerb einer Alternative wird immer größer. Das reduziert die Möglichkeit einer Veränderung bei vielen Menschen. Zudem sind die Einflussmöglichkeiten auf die Gestaltung von Grundriss und Ausstattung viel geringer, als bei der Anpassung eines selbstgenutzten Eigenheims.

Viele Wohnungen werden als barrierefrei ausgewiesen, sind aber bei genauerer Betrachtung nur bedingt für eines selbstbestimmten Leben geeignet, vor allem wenn der Unterstützungsbedarf zunimmt. Offen ist, wie sich das Zusammenleben in einer Eigentümergemeinschaft entwickelt. Klar ist, Käufer haben keinen Einfluss darauf, wer die Nachbarn sein werden. Wohnen mit Service wird zudem nur selten angeboten und ist vergleichsweise teuer. Mit dem Umzug in eine neue Wohnung bleibt die Frage, was macht man, wenn der Unterstützungsbedarf zunimmt, eine eigenständige Lebensführung gefährdet ist.

Gemeinschaftliche Wohnformen

Der Wunsch nach gemeinschaftlichen Wohnformen, dem Zusammenleben mit anderen Menschen wird immer häufiger formuliert. Kontakte statt Einsamkeit, aufeinander achten, sich gegenseitig unterstützen, ein lebenslanges Wohnrecht, das sind zentrale Motive. Außerdem besteht die Erwartung, dass das Risiko in ein Pflegeheim ziehen zu müssen deutlich reduziert wird, weil hier Formen eines betreuten Wohnens verwirklicht werden können.

Nur solche Wohnungen kann man nicht einfach kaufen. Die Wohnungswirtschaft hat sich auf diese Bedürfnisse bisher nicht eingestellt. Wer gemeinschaftlich wohnen möchte muss sich Geleichgesinnte suchen und versuchen, mit ihnen ein gemeinschaftliches Projekt zu realisieren. Das ist aufwändig, erfordert Durchhaltevermögen, die Bereitschaft sich intensiv mit einem komplexen Thema zu beschäftigen. Zwischen den ersten Ideen und der Realisierung vergehen in der Regel viele Jahre. Dazu muss man bereit und auch in der Lage sein. Erfolgreiche Projekte zeigen aber, der Aufwand lohnt sich, zumal die Beteiligten dauerhaft viel mehr Gestaltungschancen haben, als bei dem Kauf einer Eigentumswohnung.

Nur wenn ich weiß was ich will, bekomme ich was ich benötige

Es besteht häufig eine große Kluft zwischen Wünschen und tatsächlichem Handeln. Unsicherheiten fördern passives Abwarten. Positive Ziele, sich Wünsche erfüllen können fördern die Bereitschaft zum Handeln.

Es macht einen großen Unterschied, ob man ein langes Leben mit Freude gestaltet, weil man rechtzeitig aktiv wird und sich Zeit nehmen kann für die Entwicklung guter Lösungen oder ob man abwartet, mit der Gefahr, in einer Krise schnell entscheiden zu müssen ohne große Handlungsalternativen. Wohnentscheidungen wollen gut überlegt sein, denn für kaum einen Bereich geben Menschen mehr Geld aus. Fehlentscheidungen können erhebliche finanzielle Konsequenzen haben. Gute Lösungen verbinden das heute mit dem morgen, einen unmittelbaren Vorteil mit einem langfristigen Nutzen.

Aber es gibt nicht die Lösung. Jeder Mensch muss seinen eigenen Weg finden. Das bietet die Freiheit für individuelle Lösungen aber auch die Notwendigkeit, sich mit den Wohn- und Lebensperspektiven intensiv zu beschäftigen, egal wofür man sich letztendlich entscheidet. Wichtig ist es, aktiv zu werden, sich u.a. mit Familie und Freunden auszutauschen.

Grundsätzlich gibt es fünf Etappen der Entscheidungsfindung

  • Eigene Bedürfnisse erkennen und überprüfen
  • Ziele definieren
  • Informationen sammeln
  • Abwägungsprozesse gestalten (was kann und will ich mir leisten . was mache ich jetzt, was mache ich später)
  • Entscheidungen treffen und Handeln

Bleibt abschließend die Frage, an wen kann man sich wenden, wenn man Unterstützung benötigt. Der Seniorenbeirat Schwanewede kann ein erster Ansprechpartner sein, bei der Suche nach Informationen und geeigneten Beratungsangeboten, weil er sich mit dem Wohnen im Alter schon lange beschäftigt und ein gutes Netzwerk aufgebaut hat.

Rahmenbedingungen müssen stimmen

Wohnen mit Zukunft ist ein individuelles und ein gesellschaftliches Thema. Gute Wohnlösungen erfordern engagierte Menschen, qualifizierte und engagierte Unternehmen, aber auch die gute Rahmenbedingen durch die öffentliche Hand.

Dr. Dieter Sudbrink